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Kinder aus KhaliunSibylle May

Newsletter vom 26.6.2025

Liebe Steppenkind-​Freunde,

wieder zurück aus der Mongolei berichte ich Euch sehr gerne über die Entwicklung der jungen Mongolen in unserem Projektort Khaliun, die wir seit vielen Jahren mit unseren Projektmaßnahmen und unseren regel­mä­ßigen Besuchen begleiten. 

Diese Kontinuität ist ein wesent­licher Beitrag für den Erfolg des Projektes. Die Projektleiterin vor Ort, Enkhtuya Battulga, erwähnte am letzten Abend in Khaliun, dass sie befürchtet hatte, wir würden uns nach den Rückschlägen durch Brand und Sturzflut zurück­ziehen. Das haben wir zum Glück nicht getan, sondern, sobald die Einschränkungen durch Corona es zuließen, ein weiteres großes Projekt geplant. Wie Ihr wisst, startete am 1.4.2023 das Jugendförderungs-​Projekt mit Hilfe unseres Bundesministeriums.
Ein Jugendbildungszentrum wurde gebaut und zahlreiche Fachkurse, vor allem die Grundkurse 1.„Lebensschulung" und 2. Berufsvorbereitung wurden angeboten, eine Sozialpädagogin einge­stellt und Fachtrainer engagiert.

Dieses Projekt, das bis 30.4.2025 verlängert und mit dem Bau des ersten Stockwerks des Jugendbildungszentrums erweitert wurde, ist nun erfolg­reich abgewi­ckelt. Ich werde die nächsten Monate am abschlie­ßenden ausführ­lichen Nachweis für unser Bundesministerium arbeiten.

Das Jugendförderungs-Zentrum

Das Jugendzentrum mit dem 1. Stock.

Als besonders erfreulich betrachte ich, dass einige Jugendliche der Fachkurse Gesundheit und Sport, Erneuerbare Energien, Gartenbau und IT einen ÖKO-​CLUB gegründet haben. Gemeinsam haben sie eine am Fuß den nahen Gebirges gelegene kleine Quelle durch einen Zaun geschützt und an einer anderen Stelle Sanddorn-​Sträucher gepflanzt. Diese Aktivitäten können sogar auf Facebook nachver­folgt werden.

Der erste Vorsitzende der NGO in Khaliun „Herz für die Zukunft der Kinder“ berichtete, dass bei einem großen Jugendtreffen in der Provinz Gobi-​Altai-​Aimag, den aus der Hauptstadt Ulanbator angereisten Bildungs-​Politikern „unsere“ Jugendlichen besonders positiv auffielen. Sie wirkten sehr inter­es­siert an der Entwicklung der Provinz und ernsthaft engagiert. Ich kann mir gut vorstellen, dass unter anderem auch die Kurse „Lebensschulung“, Berufsvorbereitung und Betriebswirtschaft dazu beigetragen haben.

Inzwischen wird die Sozialpädagogin seit 1.1.2025 von der Provinzregierung finan­ziert. Das ist eine klare Bestätigung für unser Jugendprojekt. Auch während der dreimo­na­tigen Sommerferien der Kinder setzt sie ihre Kompetenz ein und geht direkt zu den Familien, damit die Eltern infor­miert sind und ihre Arbeit mit den Jugendlichen unter­stützen können.

Mein Eindruck ist, dass sich die Projektleiterin E. Battulga und die Sozialpädagogin viele kluge Gedanken um das Wohlergehen der Jugendlichen und Kinder im Distrikt machen.
Die Tätigkeit der Sozialpädagogin im Jugend-​Bildungszentrum und Dorf soll deswegen so bald wie möglich von einem Psychologen ergänzt werden. Es ist sehr dringlich immer wieder in unseren Gesprächen von der Projektleiterin Enkhtuya Battulga betont worden, dass ein geschulter Psychologe sich der offen­sicht­lichen Konflikte in den Familien der mobilen Viehzüchter annimmt.

SchülerInnen des Jugendbildungszentrums

Ich schätze besonders die Ruhe und Würde, die manche Kinder ausstrahlen. „Cheese“ ist zum Glück noch nicht durch­gehend in der Mongolei üblich.

Ursache der Konflikte scheint vor allem zu sein, dass sich immer mehr Frauen der mobilen Viehzüchter gemeinsam mit ihren 6/​7 jährigen schul­pflich­tigen Kindern im Dorf nieder­lassen, statt die Kinder in die Dorf-​Internate zu geben. Die Männer müssen dann ohne ihre Frauen mit den Herden weiter­ziehen und auf die Nähe und natürlich auch die Arbeitskraft ihrer Frauen verzichten. Traditionell haben sich die Frauen vor allem um die „weißen Speisen“ gekümmert. Das heißt, das Melken der Tiere und die Verarbeitung der Milch. Die getrock­neten Milchprodukte sind die Hauptnahrungsquelle für die Wintermonate.

Diese Veränderung in der Lebensführung mit den daraus entste­henden ungelösten Fragen betrifft alle Provinzen in der Mongolei, in denen die mobile Viehzucht die vorrangige Erwerbsquelle ist.
Zweifellos ist die mobile Viehzucht nach wie vor die passende Wirtschaftsform für weite Teile der Mongolei. Somit betrifft dieses Problem der "getrennten Familien" viele Mongolen auf dem Land. Die Regierung in Ulanbator hat deswegen bereits den Beginn der Einschulung von 6 auf 7 Jahre erhöht.

Welche Aufgaben ergeben sich für unsere Initiative Steppenkind?

1. Einsatz eines geschulten Psychologen im Distrikt Khaliun

In diesem Zusammenhang konnte ich in Ulanbator den Psychologie-​Professor Dr. Batsukh sprechen, der speziell diese Psychologen ausbildet und versprach, einen seiner Doktoranden zu überzeugen, in Khaliun zu arbeiten. Denn in diesen bevöl­ke­rungs­armen von der Hauptstadt weit entfernt gelegenen Distrikt zu gehen, ist verständ­li­cher­weise nicht beliebt bei jungen Experten. Es gibt 840 Mittelschulen mit Internaten in der Mongolei und schon für 500 wurde ein Psychologe bereit gestellt.

5 Jugendliche sitzen an einem TischProfessor Batsukh wird sich außerdem darum bemühen, dass unser Jugendförderungs-​Projekt mit den Grund- und Fachkursen in bestehende Programme des Bildungsministeriums in Ulanbator integriert wird. Damit würde unser Einsatz in Khaliun sich als doppelt nachhaltig erwiesen haben und seine Fortsetzung auch ohne unseren ständigen Beitrag garantiert.

Die Fortsetzung der Grundkurse ist durch die Übernahme des Gehalts der Sozialpädagogin durch den mongo­li­schen Staat ohnehin gesichert.

Einige der Fachkurse werden wir ab September weiterhin zumindest bis Ferienbeginn Anfang Juni 2026 finan­zieren können: IT, Erneuerbare Energien und Kreative Gestaltung. Hinzu kommt eventuell ein Beitrag zum Gehalt des Psychologen.

2. Wiederaufbau der Lehrwerkstätten: Filzen, Nähen, Weben, Seifenherstellung

Ein großer Raum im leer stehenden alten Wohnheim der Internatskinder (das neue vom mongo­li­schen Staat erbaute Wohnheim wurde unlängst bezogen) wurde von der Projektleiterin mit einigen vom Brand geret­teten Geräten einge­richtet und genutzt. Allerdings ist das Wohnheim sehr alt und das Dach undicht. Unser Anliegen ist deswegen, geeig­netere Räume zu finden und zweck­dienlich zu renovieren. Überlegungen dazu sind momentan noch nicht abgeschlossen. Ich berichte, sobald ich mehr weiß.

3. Förderung der Zahngesundheit der Kinder

Durch die Überflutung der Mongolei mit billigen chine­si­schen Süßigkeiten, die in jedem winzigen Dorflädchen zu finden sind, ist die Zahngesundheit verheerend. Und wir wissen alle, wie stark die Zahngesundheit die Gesundheit generell beeinflusst.
Kinder aus Khaliun - ein Junge steigt aus einem Lastwagen, der gerade repariert wirdIch habe unter anderem in UB die Gründerin der Misheel Kids Foundation getroffen. In dieser Stiftung geht es um den Erhalt der Zahngesundheit der mongo­li­schen Kinder.
Das Schwergewicht liegt auf der Prophylaxe, der sorgfäl­tigen Zahnreinigung.

Zu diesem Zweck empfiehlt die Zahnärztin und Gründerin Gabriella Schmidt-​Corsitto die Schulung von drei Personen aus dem Dorf, die dann ihr Wissen an Eltern, Lehrer und Kinder weiter geben. Gesunde Ernährung ist natürlich neben der gekonnten Zahnpflege das A und O der Zahngesundheit. Und dafür haben wir zum Glück durch den Anbau von Obst und Gemüse schon einiges getan.

In den nächsten Wochen wird sich heraus­stellen, wie hoch die Kosten der Ausbildung dieser drei Personen sein würden und ob die Projektleiterin und der NGO-​Vorsitzender Dr. Bayanmunkh dieses Projekt mittragen wollen. Denn diesmal haben wir dieses Thema zur Sprache gebracht.

4. Sicherung/​Erhalt und erfolgreiche Nutzung der Plantagen

Der Anbau von Obst und Gemüse ist nach wie vor ein extrem wichtiges Vorhaben für die Wirtschaftlichkeit der NGO in Khaliun und last not least die Gesundheit der Menschen im Distrikt.
Diese Aufgabe erfordert immer noch unseren konzen­trierten Einsatz.
Den Lohn der 3 Gärtner werden wir auch 2026 finan­zieren müssen, da die Erträge der Ernten nur für Saatgut, Pflanzen, Dünger und kleine Ersatzteile reichen.

Wieder konnten wir am eigenen Leib spüren, wie anstrengend das Leben in dieser weit abgele­genen Provinz ist: Die zuneh­mende Trockenheit durch den Klimawandel, die andau­ernden Winde, die krassen Wechsel zwischen Kälte und Hitze, die langen Transportwege und so fort. Alle Tätigkeiten, besonders die Arbeit in den Plantagen, erfordern mehr Krafteinsatz als zum Beispiel in unserem noch immer gemäßigten Klima.
Ich mache mir Gedanken, wie wir die Menschen bei der Plantagenarbeit unter­stützen könnten. Welcher junge Gärtner wäre bereit, eine Art Praktikum während der Pflanz-​Periode in Khaliun zu machen und mit zu arbeiten?

Ich grüße und danke Euch herzlich für Eure Treue und halte Euch gerne weiter auf dem Laufenden
Sibylle

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